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Opernarien für den Flügel

Ingolstadt
erstellt am 19.04.2019 um 19:25 Uhr
aktualisiert am 19.04.2019 um 19:30 Uhr
Ingolstadt (DK) Wer die Saison-Broschüren der Orchester in der Klassik-Metropole München studiert, kann die Arbeit des einzigen Profi-Klangkörpers in Ingolstadt umso mehr wertschätzen.
Stupende Gesanglichkeit und fragiler Lyrismus: Die wunderbare Pianistin Edna Stern spielt Konzerte von Johann Simon Mayr.
Stupende Gesanglichkeit und fragiler Lyrismus: Die wunderbare Pianistin Edna Stern spielt Konzerte von Johann Simon Mayr.
Schaffer
Statt auf den ewig gleichen Trampelpfaden des Repertoires zu wandeln, kredenzt das Georgische Kammerorchester (GKO) beharrlich ungewöhnliche Programme. Dazu zählen Raritäten oder unkonventionelle Koppelungen von Werken abseits der Norm.

Genau dies ist das besondere Profil der Georgier. In der Orchester-Szene hat sich das längst herumgesprochen - ein "Markenzeichen aus Ingolstadt". Auch beim vierten Abo-Konzert des GKO wurde dieses Profil im Festsaal unter Ruben Gazarian in eine sinnstiftende Form gegossen. Im Zentrum standen zwei Klavierkonzerte von Johann Simon Mayr, mit Edna Stern als Solistin.

Sie ist in Ingolstadt genauso wenig unbekannt wie der 1763 in Mendorf geborene Komponist. Bereits vor drei Jahren hat Stern mit dem GKO die Klavierkonzerte Nr. 1 und Nr. 2 von Mayr aufgeführt. Diesmal aber wird es eine CD-Aufnahme geben. Gut so, denn: Von der Mayr-Renaissance, die vor rund zehn Jahren startete, profitieren vor allem die über 60 Opern Mayrs.

Das Instrumental-Schaffen fristet hingegen noch immer größtenteils ein Schattendasein. Mit ihren Gestaltungen haben Stern und die Georgier gezeigt, dass dies nicht der Qualität der Musik geschuldet ist. Ganz im Gegenteil: Es ist fasziniert zu hören, wie Mayr die Konzert-Gattung völlig eigen befragt. Durch die Takte winkt immer wieder der Opern-Komponist.

Zwar gibt es auch in den Solokonzerten von Mozart theatralische Elemente, aber: Mayr geht weit darüber hinaus. Jedes Thema wird fast schon wie ein Charakter porträtiert, noch dazu mit kühner Stimmführung. Manche harmonische Reibung erinnert an den "Sturm und Drang" des Bach-Sohns Carl Philipp Emanuel. In den langsamen Sätzen ist hingegen die "Empfindsamkeit" präsent. Die Kadenzen muten wie Arien oder Rezitative an.

Dieses Profil wurde von Stern ausgesprochen kunstvoll und kenntnisreich in Szene gesetzt. Sie hat ein untrügliches Gespür für die differierenden Atmosphären, um sie wirkungsvoll zu verdichten. Mit luzid-fragilem Lyrismus und einer stupenden Gesanglichkeit offenbart sich in dem Spiel von Stern, wie nah die Klangpoesie eines Robert Schumann, Felix Mendelssohn oder auch Frédéric Chopin in Mayrs Klavierkonzerten ist.

Damit wirkte zugleich das weitere Programm des Abends wie ein in sich geschlossenes Narrativ, denn: Es sind die "Novelletten" op. 53 des Dänen Niels Gade, die ganz klar an Schumann und Mendelssohn anknüpfen. Auch hier haben die Georgier die romantisch gefärbte Klassizität stilgerecht ausgeleuchtet, um dieses Kolorit auch der Sinfonie Nr. 25 von Joseph Haydn zu entlocken.

In der langsamen Einleitung präsentiert sich Haydn ganz klar als Prophet der Romantik. In den anderen Sätzen grinst hingegen der freche Humorist und Ironiker - überaus wach und leichtfüßig das Spiel der Georgier unter Ruben Gazarian. Sie wissen von der Originalklang-Praxis, um gerade auch das Vibrato wohltuend differenziert einzusetzen. Dieser Haydn war zeitgemäß und frisch.
Florian Olters

Impressionen von unserer Mitgliederreise nach Venedig von 19.-22.04. 2018.

Von der Anreise über Padua über die Besichtigungen in der Lagunenstadt selbst bis zum Zwischenstopp auf der Rückfahrt in Vicenza.

Herzlichen Dank an unsere Forografin Centa Arzberger-Longhi für die schönen Aufnahmen!

Auf den Spuren Simon Mayrs in Venedig (DK, 05.06. 2018)

Die Simon-Mayr-Gesellschaft unternahm mit über 50 Mitgliedern eine erlebnisreiche Fahrt nach Italien

 

Fast alle wichtigen Stationen im Leben „ihres“ Komponisten hat die Internationale Simon-Mayr-Gesellschaft schon bereist – das Kloster Weltenburg, wo er seine ersten Schuljahre verbrachte, Poschiavo im Schweizerischen Graubünden, wohin er zunächst mit seinem Gönner, dem Illuminaten Freiherrn Thomas de Bassus, vor der bayerischen Regierung floh, und natürlich seine norditalienische Wahlheimat Bergamo. Doch ein wesentliches Ziel fehlte bisher: Venedig, die Lagunenstadt, in der Johann Simon Mayr einst bei Kapellmeister Ferdinando Bertoni studierte und mehrere Oratorien für ein Mädchenwaisenhaus schrieb, mit denen er den Grundstein für sein reiches Opernschaffen legte.

Diese Lücke schlossen nun über 50 Mitglieder des engagierten Vereins und brachen Ende April erwartungsvoll zu einer Reise in die Serenissima auf, um dort auf den Spuren des in Mendorf geborenen Maestros zu wandeln. Begleitet wurde die Gruppe von Mayr-Expertin Prof. Iris Winkler, die als Stipendiatin viele Monate in Venedig forschte. So kam die Reisegesellschaft nach einem interessanten Zwischenstopp in der Universitätsstadt Padua (hier liegen Reliquien des Heiligen Antonius) nicht nur in den Genuss einer gewöhnlichen touristischen Stadtführung durch Venedig, sondern erhielt auch exklusive Einblicke in Simon Mayrs dortigen Aufenthalt: das Haus in der Calle dei Cinque, in dem er logierte, das Leben und Treiben auf dem Markt, die Kirche San Cassiano, in der er Angela Venturali, Tochter eines angesehenen Kaufmanns, heiratete. Auf der weitläufigen Terrasse des 1. Stocks im Palazzo Barbarigo, der – direkt benachbart zum Domizil von Donna Leons „Commissario Brunetti“  – das Deutsche Studienzentrum beherbergt und normalerweise für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist, fühlte man sich bei einem atemberaubenden Blick über den Canal Grande fast wie ein „Nobile“, ein adliger Venezianer.  Natürlich durfte da auch eine Besichtigung des majestätisch-prunkvollen „Teatro La Fenice“ nicht fehlen: Prägte Simon Mayr doch die Anfangszeit des weltberühmten Opernhauses kompositorisch wesentlich mit. Einige Nachtschwärmer entschlossen sich sogar zum Besuch einer hinreißenden Aufführung von Donizettis „L`Elisir d`Amore“. Ein Glücksfall, dass hier passend zum Anlass gerade dieses heitere Ränkespiel des bekanntesten Mayr-Schülers gegeben wurde!

Von Mayrs eigenem musikalischem Ideen- und Erfindungsreichtum sollten dann wiederum alle Teilnehmer einen unmittelbaren, lebendigen Eindruck bekommen. Eigens für die Reisegesellschaft gab Titularorganistin Paola Talamini ein Konzert in der Basilica Santa Maria della Salute mit sogenannten „Sinfonie veneziane“, also Orgelfassungen verschiedener Ouvertüren zu Opern und Oratorien Simon Mayrs, die die Musikwissenschaftlerin selbst in den Archiven und Bibliotheken Venedigs entdeckt und herausgegeben hat. Faszinierend, welche facettenreichen orchestralen Klangfarben sie ihrem Instrument damit entlockte. Abgerundet wurde dieser feierliche Rahmen durch eine Besichtigung der Pinacoteca Manfrediniana. Überwiegend sakrale Gemälde und Skulpturen verschiedener Künstler sind dort ausgestellt, unter anderem von Tizian.

Über Vicenza, wo sie noch die architektonischen, harmonisch-eleganten Meisterleistungen des legendären Baumeisters Palladio bewundern konnte, trat die Simon-Mayr-Gruppe schließlich erfüllt die Heimreise an. Bei der Einkehr im Wipptaler Hof am Brenner war man sich einig: Trotz mancher spontan erforderlicher Ablaufänderungen, logistischer Schwierigkeiten beim Vaporetto- und Gondel-Fahren oder kurzzeitiger Verwirrung um vertauschte Gepäckstücke – Venedig war ein Traum!

 

Von Heike Haberl

Ergebnisse der Mitgliederversammlung vom 15.03. 2017

 

Seit Mittwoch, 15.03. 2017 ist der turnusgemäß neu gewählte Geschäftsführende Vorstand der Internationalen Simon-Mayr-Gesellschaft im Amt:

Als Präsident wurde Prof. Dr. Joachim Genosko einstimmig wiedergewählt.

Neuer, ebenfalls einstimmig gewählter Vizepräsident ist – in Nachfolge von Kulturreferent Gabriel Engert  - Franz Rottenkolber, der kommissarisch bis auf weiteres zugleich die Aufgaben des Editionsleiters übernimmt.

Geschäftsführerin Christa Niklas, Schatzmeister Helmuth Schauer und Schriftführerin Monika Geiger wurden alle einstimmig in ihren jeweiligen Ämtern bestätigt.

 

Ebenso einvernehmlich beschlossen wurde eine Satzungsänderung in §7.1.

Anstatt wie bisher: „Zum geschäftsführenden Vorstand gehören der Präsident, der Vizepräsident, der Geschäftsführer, der Schriftführer, der Schatzmeister und der Editionsleiter.“

wird es dort zukünftig heißen: „Zum geschäftsführenden Vorstand gehören der Präsident, der Vizepräsident, der Geschäftsführer, der Schriftführer und der Schatzmeister.“