Aktuelles

Mitgliederreise nach Bern vom 08.-10.11. 2019

 

Einen willkommenen Anlass für ihre diesjährige Mitgliederreise bot der Internationalen Simon-Mayr-Gesellschaft die gelungene Schweizer Erstaufführung des Oratoriums „Samuele“ die maßgeblich durch unser Mitglied Dr. Hans Peter Friedli initiiert wurde. Eindrucksvoll zu Gehör brachten dieses äußerst opernhafte und mitreißende Werk in der Französischen Kirche zu Bern der Orpheus Chor, das Orchester Klangforum Schweiz, vier Gesangssolisten und Mädchen der Singschule Könitz unter der Leitung von Rudolf Rychard.

Herzlichen Dank an Hans-Peter Friedli für die Übermittlung der Konzertfotos.

Umrahmt wurde die Konzertfahrt von erlebnisreichen Besichtigungen der schönen Städte Freiburg, Colmar – und natürlich Bern selbst.

Wir danken unseren Fotografen Reinhold von Großmann, Evelyn Bohla sowie Inge und Norbert Gschwendtner für die schönen Bilder!

Auszüge aus dem Brief von Walter Kläy, Musikjournalist und ehemaliger Kulturredaktor Radio DRS 2, an Rudolf Rychard, den Dirigenten der Schweizer Erstaufführung von Simon Mayrs Oratorium "Samuele" in der Französischen Kirche zu Bern:

 

 

Lieber Ruedi,

 

Nach dem Konzert des Orpheus-Chors möchte ich dir hier meine Gedanken zum Konzert vom letzten Sonntag mitteilen.

Insgesamt gehört dir, dem Chor und den Solisten ein grosses Lob! Eine solche «Ausgrabung» aufzuführen ist schon fast eine Heldentat. Es handelt sich ja eigentlich um eine Oper in Form eines Oratoriums, also eine sehr komplexe Ausgangslage, schon nur deshalb ist eine adäquate Interpretation äusserst schwierig. Aber du hast das schier Unmögliche geschafft, auch die zahlreichen Abstufungen vom Secco-zum Accompagnato-Rezitativ und zu den chorischen Passagen wurden sehr differenziert dargestellt, und das mit einem Laienchor, der deine Intentionen umsetzten konnte. Natürlich schufen die Texte von Hans Peter Friedli und Walter Dietrich einen guten Zusammenhalt, so dass der nicht informierte Zuhörer (wie ich) dem Ganzen folgen konnte. Die Solistinnen und Solisten fand ich überdurchschnittlich gut, vor allem Lisa Läng, die gestalterisch, stimmlich wie auch punkto Intonation nicht nur eine absolute Spitzenleistung ablegte, sondern dazu auch noch sympathisch war, mit einer grossen Ausstrahlung.

[...]

 

Summa summarum: du hast mir und dem Berner Publikum ein hochinteressantes Werk in einer hervorragenden Aufführung geboten, und ich danke dir ganz herzlich dafür!PSDass weder der «Bund» noch die «Berner Zeitung» es für nötig fanden, diesem Ereignis auch nur eine Zeilezu widmen, ist sehr bedauerlich aber bei der gegenwärtigen Tendenz dieser Zeitungennicht erstaunlich.

 

 

Mit lieben Grüssen, auch an deine Frau,

Walter

+ Nachruf auf Giuseppe Anghileri +

 

Nach längerer Krankheit ist Giuseppe Anghileri aus Bergamo, der unserer Gesellschaft viele Jahre als Mitglied verbunden war,  am 12. Mai 2019 im Alter von 76 Jahren verstorben.

In seiner Heimatstadt war er Stadtrat sowie Präsident der Fondazione MIA Bergamo und prägte mit seinem unermüdlichen politischen, kulturellen und christlichen Engagement den Stadtteil Santa Caterina maßgeblich.

Die Trauerfeier fand am 16. Mai 2019 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und zahlreicher Politiker statt.

Mit Giuseppe Anghileri, der kurz vor seinem Tod noch mit Freunden zu einer Fahrradtour durch das Altmühltal aufbrechen wollte, haben wir nicht nur einen leidenschaftlichen Anhänger „unseres“ Komponisten Simon Mayr, sondern auch einen treuen Weggefährten als Bindeglied zu Mayrs Wahlheimat Bergamo verloren. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Opernarien für den Flügel

Ingolstadt
erstellt am 19.04.2019 um 19:25 Uhr
aktualisiert am 19.04.2019 um 19:30 Uhr
Ingolstadt (DK) Wer die Saison-Broschüren der Orchester in der Klassik-Metropole München studiert, kann die Arbeit des einzigen Profi-Klangkörpers in Ingolstadt umso mehr wertschätzen.
Stupende Gesanglichkeit und fragiler Lyrismus: Die wunderbare Pianistin Edna Stern spielt Konzerte von Johann Simon Mayr.
Stupende Gesanglichkeit und fragiler Lyrismus: Die wunderbare Pianistin Edna Stern spielt Konzerte von Johann Simon Mayr.
Schaffer
Statt auf den ewig gleichen Trampelpfaden des Repertoires zu wandeln, kredenzt das Georgische Kammerorchester (GKO) beharrlich ungewöhnliche Programme. Dazu zählen Raritäten oder unkonventionelle Koppelungen von Werken abseits der Norm.

Genau dies ist das besondere Profil der Georgier. In der Orchester-Szene hat sich das längst herumgesprochen - ein "Markenzeichen aus Ingolstadt". Auch beim vierten Abo-Konzert des GKO wurde dieses Profil im Festsaal unter Ruben Gazarian in eine sinnstiftende Form gegossen. Im Zentrum standen zwei Klavierkonzerte von Johann Simon Mayr, mit Edna Stern als Solistin.

Sie ist in Ingolstadt genauso wenig unbekannt wie der 1763 in Mendorf geborene Komponist. Bereits vor drei Jahren hat Stern mit dem GKO die Klavierkonzerte Nr. 1 und Nr. 2 von Mayr aufgeführt. Diesmal aber wird es eine CD-Aufnahme geben. Gut so, denn: Von der Mayr-Renaissance, die vor rund zehn Jahren startete, profitieren vor allem die über 60 Opern Mayrs.

Das Instrumental-Schaffen fristet hingegen noch immer größtenteils ein Schattendasein. Mit ihren Gestaltungen haben Stern und die Georgier gezeigt, dass dies nicht der Qualität der Musik geschuldet ist. Ganz im Gegenteil: Es ist fasziniert zu hören, wie Mayr die Konzert-Gattung völlig eigen befragt. Durch die Takte winkt immer wieder der Opern-Komponist.

Zwar gibt es auch in den Solokonzerten von Mozart theatralische Elemente, aber: Mayr geht weit darüber hinaus. Jedes Thema wird fast schon wie ein Charakter porträtiert, noch dazu mit kühner Stimmführung. Manche harmonische Reibung erinnert an den "Sturm und Drang" des Bach-Sohns Carl Philipp Emanuel. In den langsamen Sätzen ist hingegen die "Empfindsamkeit" präsent. Die Kadenzen muten wie Arien oder Rezitative an.

Dieses Profil wurde von Stern ausgesprochen kunstvoll und kenntnisreich in Szene gesetzt. Sie hat ein untrügliches Gespür für die differierenden Atmosphären, um sie wirkungsvoll zu verdichten. Mit luzid-fragilem Lyrismus und einer stupenden Gesanglichkeit offenbart sich in dem Spiel von Stern, wie nah die Klangpoesie eines Robert Schumann, Felix Mendelssohn oder auch Frédéric Chopin in Mayrs Klavierkonzerten ist.

Damit wirkte zugleich das weitere Programm des Abends wie ein in sich geschlossenes Narrativ, denn: Es sind die "Novelletten" op. 53 des Dänen Niels Gade, die ganz klar an Schumann und Mendelssohn anknüpfen. Auch hier haben die Georgier die romantisch gefärbte Klassizität stilgerecht ausgeleuchtet, um dieses Kolorit auch der Sinfonie Nr. 25 von Joseph Haydn zu entlocken.

In der langsamen Einleitung präsentiert sich Haydn ganz klar als Prophet der Romantik. In den anderen Sätzen grinst hingegen der freche Humorist und Ironiker - überaus wach und leichtfüßig das Spiel der Georgier unter Ruben Gazarian. Sie wissen von der Originalklang-Praxis, um gerade auch das Vibrato wohltuend differenziert einzusetzen. Dieser Haydn war zeitgemäß und frisch.
Florian Olters